Was einen Mock Trial spannend macht

4 Gründe gegen einen Mock Trial

So ein Mock Trial (kurz MT) ist eine harte Sache.. hört man. Gerade neulich hat mir jemand seine Gründe gegen einen Start bei einem Mock Trial aufgezählt:

  1. keine klaren Regeln
  2. Team ist die ganze Zeit nah am Geschehen
  3. Aufgaben sind willkürlich
  4. Bewertung ist undurchsichtig

auf den ersten Blick mag das genauso erscheinen.

 Stellt sich die Frage, wo liegen die Unterschiede eines Workingtestes (kurz WT) und eines MTs?

Der Workingtest das Urgestein der Dummyarbeit

Den Ablauf eines Workingtest hat man schnell durchschaut. Es gibt zwischen 4 (in Österreich) und 6 Aufgaben (in Deutschland). Manchmal auch 5. Jede Aufgabe hat einen eigenen Richter. Das Ziel eines WTs ist es die Aufgaben für alle Hunde möglichst gleich zu gestalten und dann den Hund bzw. das Team zu bewerten. Wie gesagt, Ziel ist es, jedem Team die gleichen Voraussetzungen für jede Aufgabe zu ermöglichen. Was, wenn wir uns einen WT genauer betrachten schlichtweg nicht möglich ist.

Es fängt schon damit an, dass es einen Unterschied gibt, ob zu einem Blind oder sogar zu einer Markierung bereits eine Autobahn große Spur von vorhergegangenen Hunden liegt, oder ob man der erste Hund am Start ist. Ob der Hund mit einer Wasseraufgabe anfängt oder nach 4 Stunden mit dieser dran ist. Ob man zu jeder Aufgabe kommt und durchgewunken wird, oder ob man zwischen den Aufgaben eine Wartezeit von mehreren Stunden meistern muss.

Natürlich sollte das alles einem gut ausgebildeten Hund (und auch seinem Besitzer) keine Probleme bereiten, aber man spricht ja nicht umsonst vom Suchenglück... vielleicht ist auch das ein wenig damit gemeint.

Die Aufgaben einer solchen Veranstaltung können großartig, langweilig, eintönig, spannend usw. sein - dieses Gefühl ist schwer den Fakten unterworfen, wie man den Hund bis dato ausgebildet hat und wie gut er die Aufgaben an diesem Tag meistern konnte. Nicht selten passiert es, dass ein Teilnehmer von einer "Hammeraufgabe" spricht - während ein anderer dieselbe " a gmahde Wiesn" nennt (bayrisch, was soviel heißt wie: das läuft)  - auf der selben Veranstaltung wohlgemerkt.

Workingteste gibt es über 100 Stück im Jahr, nimmt man die umliegenden Länder mit ins Starterkalkül. Es wird einem also eine Menge geboten.

Nun zum MockTrial.

Die Köngisdisziplin unter den Workingtesten

Ziel eines Mock - oder auch Dummy Trials genannt ist es eine Jagd ganz ohne Blutvergießen nachzustellen. Wer schon einmal auf einer Jagd dabei war, der weiß das es zwar einen Plan gibt aber keine Regel wann wo etwas fällt. Viele Workingtest-Starter kennen die Regeln eines Mock Trials nicht- denn sie sind auf den ersten Blick schwerer zu durchschauen. Wann ist wer dran - wieso werden die Startnummern erst morgens gezogen und weshalb ist alles irgendwie ganz anders als auf einen Workingtest. Die Antwort lautet: weil es ein anderes Ziel gibt.

Einmal auf einem Workingtest gewesen wiederholt sich die Abfolge an dem Veranstaltungstag jedes Mal aufs Neue. Das ist ein Grund warum viele den Workingtest so lieben und das ist auch gut so.

Ein Einblick in unser alltägliches Leben:

Menschen verändern sich höchst ungern. Das heißt, sie fühlen sich dann richtig wohl - wenn sie vermeintlich alles kennen. Da kommt einem ein WT sehr gelegen, denn er hat feste und klar erkennbare Regeln. Es gibt eine Aufgabe, die ist für alle an dem Tag gleich, ein Richter bewertet bei jeder Aufgabe jeden Hund, es gibt bis 20 Punkte für jedes reingebrachte Dummy und wer schon länger bei WTs startet, der fängt durchaus an sich auch selbst zu bewerten. Was nur heißen soll: das System ist durchschaubar.

Wir Menschen bauen von Kinderbeinen an Gewohnheiten auf damit wir im Leben so wenig oder soviel Entscheidungen treffen müssen als nötig - Entscheidungen zu treffen kostet unserem Gehirn eine Menge Energie. Und es wäre fatal vor jedem Schritt darüber nachdenken zu müssen, welcher Fuss als nächstes dran wäre. Von daher sind Gewohnheiten richtig - müssen sein - und helfen uns im Alltag enorm.

Leider neigen wir aus genau dieser Erfahrung dazu alles in Gewohnheiten umzulegen und jetzt tritt genau ein gegenteiliger Effekt ein - während wir bei zu viel  Entscheidungen unser Gehirn überfordern würden - langweilt man sein Hirn buchstäblich, weil es nicht mehr gefördert wird. Das große Ausmaß von zu vielen Gewohnheiten sind Krankheiten wie Demenz und Alzheimer. Das Gehirn legt nicht benötigte Nervenbahnen und Verbindungen einfach wieder lahm. Natürlich kommen zu diesen beiden Krankheitsbildern noch andere Faktoren hinzu aber der größte Fauxpas ist hier: mit fortschreitendem Alter dem Gehirn keine neuen Aufgaben und Eindrücke mehr zu geben.

Zurück zum Mock Trial. Hier gibt es natürlich auch Regeln und klare Richtlinien, die sind jedoch breiter gefächert, weil keine 1:1 Situation in den Aufgaben hergestellt werden muss. Man muss oder darf längere Zeit in einer "Line" bei fuss gehen und muss/sollte nun das ganze Geschehen im Auge behalten - weil man könnte fast! jederzeit dran sein. Bei einem Mock Trial heißt es - raus aus der Komfortzone und rein in das Abenteuer. Was soviel bedeutet, als das unser Gehirn Luftsprünge macht denn endlich wird es wieder gefordert und zwar mit vielen kleinen neuen Eindrücken und auch kurzfristigen Entscheidungen.

Und genau das ist der Punkt, warum der Mock Trial fürs ganze Leben genommen eine echte Bereicherung ist. (neben einem Workingtest)

Der Mock Trial - ein Komforzonen Töter.

Müßte ich meinem Teilnehmer-Kollegen von ganz oben gute Gründe für den Start  bei einem Mock Trial erklären, würden diese so lauten:

  1. es gibt klare Regeln für jeden einzelnen Retrieve
  2. als Team bin ich die ganze Zeit nah am Geschehen
  3. die Aufgaben sind spannend und einzigartig
  4. die Bewertungen folgen den Bestimmungen des Field Trials
  5. jeder Mock Trial ist ein Erlebnis

Wo liegen für mich die Unterschiede?

Ein Workingtest ist mehr vorhersehbar. Ich weiß was kommt, ich kann mich vor-informieren bevor ich dran bin. Die Einheiten in den Aufgaben sind nie länger als 5 - 10 Minuten, oft schon aus Zeitgründen. Bin ich aufgeregt vor einem Workingtest - klar - zumindest bei der ersten Aufgabe - dann ebbt die Aufregung ab und geht in ein Trainingsgefühl über.

Ein Mock Trial heißt der Richteransage zu lauschen - das ist, was zu tun ist. Das verlangt mehr Aufmersamkeit, mehr Team sein mit dem Hund, und noch mehr auf den Punkt konzentriert sein. Bin ich aufgeregt vor einem Mock Trial? Definitiv. Bei meinem ersten Mock Trial hörte ich mein Herz im Kopf schlagen. Aber ich glaube, das hat auch den Suchtfaktor Mock Trial ausgelöst. Und je öfter man an einem Mock Trial startet, desto mehr wird auch das zur Gewohnheit und und die Aufregung hält sich in Grenzen.

Der Mock Trial setzt sich zusammen aus:

2 oder mehreren Richtern (Richten die einzelnen Starter)

1 Steward of the Beat (ist der, der den Takt vorgibt, er sagt wann wo was passiert auf dem Feld)

1 Dogs Steward (hält die line zusammen und schickt die Teilnehmer zu den Richtern)

12 Open Teilnehmern (Regel in Deutschland)

jede Menge Schützen, Werfer, Ausleger

Der Ablauf eines Mock Trials in Bildern

Alle Bilder (c) Stefan Geyer, icomedia

Ziehung der Startnummern bei einem Mock Trial (c) Stefan Geyer, icomedia

Ziehung der Startnummern, Yvonne Korradi hat mit ihrem Rüden Huels Hunter Indigo River Startnummer 3

Sind alle Starnummern vergeben, begibt man sich zum Startpunkt ins Gelände.

Mock Trial Wanderplan (c) Stefan Geyer, icomedia

Der Steward of the Beat sollte das Gelände gut kennen und er sollte für einen reibungslosen Ablauf einen Plan haben.

Im Gelände angekommen formieren sich die Helfer, Schützen Richter und Teilnehmer. Wobei alle Teilnehmer in einer Linie aufgestellt werden und die ersten 4 Starter sofort zu den Richtern geholt werden. Dabei gilt: "Lowest number on the right". 

Mock Trial Schuss und Dummy (c) Stefan Geyer

Schütze und Werfer in Action. Das Dummy habe ich markiert. Hier sieht man einen echt guten Wurf.

Als nächstes kommt ein Bild aus Sicht des Hundes. Schwer vorstellbar, dass dieser wieder nach Hause findet? 😁

Mock Trial Retrieve aus Sicht des Hundes. (c) Stefan Geyer, icomedia 

Die Line und irgendwo dort muss der Hund das Dummy hinbringen und abgebe... puh, gar nicht so einfach.

Der Workingtest, ein guter Anfang.

Du hast einen Hund und du liebst die Dummyarbeit? Dann ab zu einem Workingtest. Sammle Erfahrung verstehe, wie es geht und erfreue dich darüber was du bis dato mit deinem Hund trainiert hast. Aber irgendwann ist es an der Zeit, dass du dich weiterbildest, dass du den nächsten Schritt wagst. So wie du von A zu F zu O marschierst. So kannst du auch von Workingtest zu Mock Trial marschieren. Es ist ein Schritt. Ein Meilenstein.

Der Mock Trial get ready

Der DRC und der ÖRC rüsten auf was Mock Trial Veranstaltungen betrifft und das ist auch gut so. Und was die 4 Gründe gegen den Mock Trial betreffen, so finde ich, gibt es diese nicht. Oder nicht mehr, sobald du einmal gestartet bist. Oder was meinst du?

 

MockTrial Veranstaltung auf höchstem Niveau: https://www.gosouthcup.de/

Videos vom Go South Cup - mit freundlicher Genehmigung von Günter Bläsisus und Andreas Brode: >>Novice Trial klick  >>Open Trial klick

Mehr Mock Trial Wissen gefällig? Link: http://www.retrieverarbeit.eu/300.html von Fritz Siegel

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Ich bin kein Köter

claudia von keinkoeter

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